Wissenswertes zur Jagd
Rehbock

Die Entwicklungs- und Kulturgeschichte der Menschheit ist eng mit der Jagd verknüpft, da die Grundsicherung des menschlichen Lebens lange Zeit nur vom Jagderfolg abhing. Diese Abhängigkeit war Grundlage für die gesellschaftlichen Kleinstrukturen (Sozialordnung, Recht, Sprache, Kunst, Mythos u. Religion) und deren Entwicklung. Das änderte sich erst vor ca. 700 Jahren, als die Menschen lernten Tiere zu domestizieren und Viehzucht und Ackerbau ihren Anfang hatten. Die wirtschaftliche Bedeutung der Jagd ging zunehmend zurück, der kulturhistorische Bezug und die kulturelle Bedeutung blieben jedoch erhalten. Dabei erfuhr die Jagd über die Jahrhunderte hinweg einen deutlichen Wandel, war sie doch lange Zeit Privileg der Mächtigen (Könige und Landesherren), was auf der einen Seite zur Ausweisung von Bannwäldern und Anlage von Jagdschlössern führte, andererseits aber auch durch die Unterdrückung der Bauern durch Jagdfrondienste einer der Gründe für die Bauernkriege war. Mit der Aufklärung Mitte des 18 Jahrhundert und der Evolutionstheorie gab es deutliche Veränderungen bzgl. des Verhältnisses Mensch-Tier und der Ausübung des Jagdrechtes. Das Tier wurde zum Mitgeschöpf, die Natur wurde romantisch verklärt, der Gedanke des Naturschutzes trat erstmals auf und im Zuge der Revolution 1848 änderte sich das Jagdrecht grundsätzlich, indem das Recht zur Jagd auf fremden Grund und Boden aufgehoben wurde und wieder jeder jagen durfte. Jagen war nur auf eigenem Grund und Boden rechtens, an eine Mindestflächengröße gekoppelt und konnte verpachtet werden. Bis 1933 blieb das Jagdrecht Ländersache und erfuhr in den Ländern unterschiedliche Ausführungen z.B. bzgl. der erlaubten Bejagungsmethoden, bevor 1934 das Reichsjagdgesetz in Kraft trat, das weitgehend den Vorschlägen und Anregungen der Landesjagdverbände gefolgt war. Nach dem zweiten Weltkrieg hoben die Amerikaner in den westlichen Besatzungszonen das Reichsjagdgesetz auf. Erst 1953 trat in der BRD als einheitliches Jagdrecht das Bundesjagdgesetz als Rahmengesetz in Kraft, das seit kurzem wieder konkurrierendes Gesetz ist.

Rehe

Grundlage für die Jagd heute ist die Jagdethik, das heißt die Verantwortung des Jägers gegenüber dem Tier und seiner Umwelt. Ein wesentlicher Bestandteil der Jagd ist dabei die Hege. Dazu gehören beispielsweise die Fütterung des Wildes in Notzeiten und die Anlage von Wildäckern, womit der natürliche Nahrungsengpass im Winter überbrückt wird, aber auch Maßnahmen, die allgemein den Zielen des Naturschutzes dienen, wie der Schutz wertvoller Biotope (z.B. Altholzinseln), Biotopverbesserungen (etwa durch Anlage von Hecken und Waldmantelaufbau) und Renaturierungen, aber auch Gründe wie Populationsdynamik, Natürliches Gleichgewicht, Ersatz des ausgerotteten Raubwildes sowie die Bestandsregulierung, um Wildschäden in der Forst- und Landwirtschaft zu verhindern.

Außerdem wird Wild aufgrund seiner hohen Fleischqualität in Zeiten von Lebensmittelskandalen wieder stärker von den Menschen als Lebensmittel nachgefragt. Heute ist die Jagd, unter dem neuen Gesichtspunkt der Erhaltung dieser Tradition, gekoppelt mit den neuen Anforderungen des Biotop- und Artenschutzes sowie nachhaltiger Nutzung unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft.